
Kooperationen & Marken
Creator-Kooperationen
Wie Creator gemeinsame Projekte planen: Ziele, Aufgaben, Geld, Veröffentlichungsrechte und Auswertung vorab klären.
Eine Creator-Kooperation trägt, wenn beide Seiten einen erkennbaren Beitrag leisten und vorab wissen, welches Ergebnis sie gemeinsam erreichen wollen. Eine passende Zielgruppe allein reicht nicht: Thema, Arbeitsaufwand, Veröffentlichung, Geld und spätere Nutzung müssen zusammenpassen. Für ein erstes Projekt ist ein klar begrenztes Format oft leichter zu steuern als eine offene Zusage zur Zusammenarbeit.
Als Ablauf hilft eine feste Reihenfolge: erst Passung und gemeinsames Ziel, dann Briefing und Zuständigkeiten, anschließend Veröffentlichung und Auswertung. So lässt sich die Auswahl am Projektziel messen und der Erfolg später an derselben Absicht prüfen.
Mit einem gemeinsamen Nutzen beginnen
Formulieren Sie vor der Produktionsplanung einen Satz aus Sicht des Publikums: Warum ist dieser Beitrag mit beiden Creatorn hilfreicher oder interessanter als zwei getrennte Beiträge? Ein Fachgespräch kann unterschiedliche Erfahrungen zusammenbringen, ein gemeinsames Tutorial zwei Fähigkeiten verbinden. Bleibt der Mehrwert unklar, ist eine gegenseitige Erwähnung möglicherweise die passendere Form.
Prüfen Sie anschließend die Interessen beider Seiten: Die eine möchte ein neues Publikum erreichen, die andere ein bezahltes Format entwickeln. Das kann funktionieren, wenn beide Ziele offenliegen.
Legen Sie fest, welches Ergebnis Vorrang hat, falls mehr Reichweite einen höheren Produktionsaufwand verlangt. Auch Themen, Aussagen oder Marken, die eine Seite ausschließt, gehören vorab auf den Tisch.
Vorteile und Risiken einer Creator-Kooperation
- Vorteile
- Erhöhte Reichweite, mehr Authentizität durch Diversität, bessere Nutzererfahrung durch Mehrwert.
- Risiken
- Unklarer Mehrwert, unterschiedliche Erwartungen, Konflikte bei Inhaltsfreigabe oder Nutzung.
Das Projekt in vier Entscheidungen zerlegen
| Entscheidung | Frage vor dem Start |
|---|---|
| Inhalt | Was entsteht, für wen und mit welcher redaktionellen Aussage? |
| Arbeit | Wer recherchiert, produziert, prüft und veröffentlicht welche Fassung? |
| Geld | Welche Ausgaben werden gemeinsam getragen, welche Einnahmen gehören zum Projekt? |
| Nutzung | Wer darf den fertigen Beitrag wo, wie lange und für welchen Zweck einsetzen? |
Diese Fragen brauchen nicht alle dieselbe Antwort. Wer den Schnitt übernimmt, muss den Beitrag nicht auch auf dem eigenen Kanal veröffentlichen. Wer ihn veröffentlicht, erhält dadurch nicht automatisch sämtliche Nutzungsrechte. Halten Sie die Antworten so fest, dass beide Seiten dieselbe Fassung vor Augen haben.
Arbeiten Sie die Geldentscheidung ohne pauschale Aufteilung aus: Halten Sie fest, welche Ausgaben gemeinsam getragen werden, welche Einnahmen dazugehören, wie die Aufteilung berechnet und belegt wird und wann ausgezahlt wird. Klären Sie außerdem, wer Rechnungen stellt und welche steuerliche Behandlung für die gemeinsamen Einnahmen zu prüfen ist.
Bei Inhalten mit einer Marke gehört auch die Werbekennzeichnung in die Planung. Klären Sie vorab, wer die geplanten Veröffentlichungen daraufhin prüft.
Für die Werbekennzeichnung sind § 5a UWG und § 58 MStV sowie die Landesmedienanstalten relevante Prüfanker.
Relevante Gesetze und Richtlinien für Creator-Kooperationen in Deutschland
- § 5a UWG
- Werbekennzeichnungspflicht für Online-Werbung
- § 58 MStV
- Mehrwertsteuergesetz – Steuerliche Regelung für digitale Dienstleistungen
- Landesmedienanstalten
- Lokale Anleitung zur Werbekennzeichnung in digitalen Medien
Plattformfunktion und Vereinbarung zusammenbringen
Eine Plattformfunktion kann Namen sichtbar machen oder die Veröffentlichung vereinfachen. Die Aufteilung von Arbeit und Einnahmen regelt sie nicht automatisch.
Als Plattformen für die Kanalentscheidung kommen Instagram, TikTok, YouTube und LinkedIn in Betracht. Benennen Sie für das konkrete Vorhaben den Kanal und die Veröffentlichungsform; die Plattformwahl ersetzt keine interne Vereinbarung zu Arbeit und Einnahmen.
Prüfen Sie die verfügbaren Plattformfunktionen und klären Sie eine gewünschte Beteiligung an Einnahmen unabhängig davon untereinander. Legen Sie fest, welche Einnahmen erfasst werden, wie sie nachgewiesen werden und wer sie auszahlt.
Planen Sie auch Änderungen ein. Wer entscheidet, wenn ein Dreh ausfällt, eine Aussage gestrichen werden soll oder ein Auftraggeber später eine Anzeigenfassung wünscht? Benennen Sie eine Person, die Änderungen sammelt, und einen Zeitpunkt, bis zu dem beide Seiten die veröffentlichungsreife Fassung freigeben. Eine ausbleibende Antwort sollte nicht stillschweigend als Zustimmung gelten.
Creator-Auswahl nachvollziehbar strukturieren
Erstellen Sie eine kurze Vorauswahl und vergleichen Sie die Personen anhand derselben Kriterien: Reichweite, Engagement, Passung der Zielgruppe, Authentizität und Markensicherheit. Eine große Followerzahl allein sagt wenig darüber aus, ob die Zusammenarbeit zum Vorhaben passt; auch eine engagierte Anhängerschaft und die Glaubwürdigkeit der Person spielen eine Rolle.
Prüfen Sie außerdem, ob Themen und Auftreten der Creator zur geplanten Botschaft passen. Creator bauen ihre Anhängerschaft häufig über Lebensstil, Beruf oder Hobbys auf und berichten von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen. Daraus lässt sich ableiten, ob ein gemeinsames Format für deren Publikum nachvollziehbar wirkt.
Halten Sie für jede Person dieselben Beobachtungen fest und begründen Sie die Auswahl mit Bezug auf das gemeinsame Projektziel. So bleibt nachvollziehbar, warum die Kooperation gerade mit diesen Creatorn zustande kommt.
Ein gemeinsames Briefing erstellen
Ein kurzes Briefing schafft einen gemeinsamen Rahmen für die Umsetzung: Es hält Kampagnenziel, Zielgruppe, Konzept und gewünschte Botschaft fest. So können beide Seiten vor der Produktion prüfen, ob sie dieselbe Vorstellung vom Ergebnis haben.
Lassen Sie innerhalb dieses Rahmens Raum für die kreative Umsetzung der Creator und benennen Sie zugleich die Standards, die für das Projekt gelten.
Ordnen Sie das Ziel ein: Es kann um Bekanntheit, Erwägung, Conversion oder Community-Aufbau gehen. Das hilft, die spätere Auswertung auf die Absicht des Projekts auszurichten.
Nutzen Sie ein gemeinsames Kurzprotokoll, in dem beide Seiten dasselbe Projektziel und Format bestätigen, die Zuständigkeiten benennen und Einnahmen sowie Ausgaben festhalten. Ergänzen Sie, wo veröffentlicht wird, welche Kennzahl den Erfolg zeigen soll und bis wann die finale Fassung freigegeben wird.
Den Erfolg am vereinbarten Ziel prüfen
Vereinbaren Sie vorab, welche Beobachtungen für beide Seiten zählen. Bei einem Fachformat könnten das qualifizierte Rückfragen sein; bei einem bezahlten Projekt kommen belegte Einnahmen und der tatsächliche Arbeitsaufwand hinzu. Reichweite ist ein Signal, aber keine vollständige Rechnung über den Nutzen.
Vergleichen Sie nach dem Projekt die Ergebnisse mit einem passenden eigenen Format und halten Sie Unterschiede bei Thema, Zeitpunkt und Bewerbung fest. Daraus lässt sich die Wirkung der Kooperation nicht exakt isolieren. Der Vergleich hilft aber bei der Entscheidung, ob ein weiterer gemeinsamer Beitrag unter ähnlichen Bedingungen sinnvoll erscheint.
Je nach Projektziel können zusätzlich Kennzahlen wie Cost per Engagement (CPE), Conversion-Tracking oder Brand Lift in die Auswertung einfließen. Earned Media Value ist eine weitere mögliche Messgröße. Legen Sie vorab fest, welche dieser Kennzahlen zur Fragestellung passt und welche Daten beide Seiten dafür heranziehen.
Vereinbaren Sie außerdem, wer die Kennzahlen dokumentiert und wann beide Seiten sie gemeinsam vergleichen. Wählen Sie Messgrößen nur dann, wenn die dafür benötigten Daten für beide Seiten verfügbar sind.
In diesem Leitfaden
- Gemeinsame Inhalte mit klarer Aufgabenverteilung planenGemeinsame Creator-Inhalte planen: Format, Zuständigkeiten, Übergaben und Freigaben vor der Produktion festlegen.
- Kosten und Erlöse einer Kooperation aufteilenProjektkosten, Arbeitszeit und Einnahmen erfassen und eine nachvollziehbare Verteilungsregel für Creator-Kooperationen vereinbaren.
- Gemeinsame Veröffentlichungsrechte festhaltenBei gemeinsamen Creator-Inhalten Urheberbeiträge, Kanäle, Fassungen, Bearbeitungen und spätere Nutzungen konkret dokumentieren.
- Eine Kooperation nach ihrem tatsächlichen Nutzen bewertenCreator-Kooperationen anhand vereinbarter Ziele, beobachtbarer Ergebnisse und tatsächlichen Aufwands auswerten.
